GRÜNESLICHTFÜRSCHÖNESWOHNEN

Bevor auf der Trabrennbahn Farmsen der Wohnpark im Grünen entstand, hatte die Stätte viel erlebt: sie war eine der bedeutendsten Pferde-Rennbahnen Deutschlands, bot davor einer Ziegelei mit vielen Lehmgruben Platz und lag vor dem Bau des Wohnparks fast zwei Jahrzehnte brach.

Am Anfang war es der Wandsbeker Johann Giese, der sich nach diversen Rückschlägen für den Reitsport – wie Pachterhöhungen und dem Wettverbot-Erlass des Kaisers – im Jahre 1910 an das Unternehmen Trabrennbahn wagte. Bereits in den ersten Jahren fanden über 20 Renntage pro Jahr statt, doch dann sorgte der 1. Weltkrieg für mangelnden Hafer und fehlende Transportmöglichkeiten. Am Ende überstand die Trabrennbahn Farmsen aber die Kriegszeit und ritt steil bergauf in die „Goldenen 20er“.

Die Creme de la Creme der deutschen Traber-Szene gab sich jetzt regelmäßig ein Stelldichein, es entstanden beheizte Wetthallen, ein Restaurant, von dem aus man bei jedem Wetter die Rennen verfolgen konnte, sowie eine eigene U-Bahn-Haltestelle (die heutige U1). Bis Ende der 1920er-Jahre hatte sich die Trabrennbahn Farmsen zu einer der modernsten und führenden Rennbahnen Deutschlands entwickelt. Doch am 8. Juli 1929 vernichtete ein Großfeuer die Stallungen am heutigen Friedrich-Ebert-Damm und viele wertvolle Zucht- und Rennpferde fanden den Tod.

Der ehemalige Rennbahnstar gerät in Vergessenheit

Trabrennbahn Farmsen historisch

1936 erhielt die Bahn Flutlicht und sogar während des Krieges gingen die Rennen weiter. Nach einem verheerenden Bombenangriff im Juli 1943 diente die Trabrennbahn als Sammelstelle für obdachlose Hamburger und wurde ein Jahr darauf selbst durch Bombentreffer zerstört. Doch schon im Dezember 1945 fanden wieder Rennen statt – in den 1950er-Jahren sogar Qualifikationsrennen für die Weltmeisterschaften. Doch das Interesse am Trabrennen erlahmte stetig und 1966 meldete die Trabrenngesellschaft Konkurs an.

Das 24 ha große Gelände wurde an die Herz-Familie (Tchibo) verkauft, die sie 1974 mit neuen Tribünen wiedereröffnete. Doch gegen die Trabrennbahn Bahrenfeld konnte sich Farmsen nicht mehr durchsetzen. So fand am 25. Februar 1976 der letzte Renntag statt. Für gut 15 Jahre lag Stille über der Rennbahn, die Natur eroberte sich ihren Platz zurück und mit ihr kamen Tiere wie Baumfalken, Bussarde und sogar Eisvögel, die in den Teichen jagten.

Das brach liegende Renn-Oval erblüht zu neuem Glanz

Ende der 1980er-Jahre entstand die Idee, das Gelände in einen grünen Wohnpark zu verwandeln. 1992 fand dazu ein städte- und landschaftsplanerischer Ideenwettbewerb statt, an dem sich zehn Büros aus ganz Deutschland beteiligten. Den ersten Preis des Wettbewerbs erhielten die Planungsgruppe Prof. Laage und die Landschaftsarchitekten Möller + Tradowsky. Ihr Entwurf überzeugte, da er die Seele der Trabrennbahn und ihre Historie erhalten wollte: die Häuser sollten im Oval genau auf der alten Rennbahnstrecke entstehen, ihre Fassaden und schrägen Dächer sich dabei dem Inneren der Rennbahn zuwenden, so wie ehemals die Tribünen. Der alte Baumbestand sollte ebenso wie die Ziegeleiteiche erhalten bleiben und das gesamte Innere des Renn-Ovals völlig frei von Bebauung bleiben.

Spielflächen für Kinder, autofreie Zonen und ein Park vor der Haustür, das war die Grundidee des „Wohnen im Grünen“. Ganz neu und ungewöhnlich war an dem Entwurf, dass er öffentlich geförderten Wohnungsbau und höchste Wohnqualität miteinander verband. Nach der Ausarbeitung der Entwürfe und dem Einholen aller baubehördlichen Genehmigungen wurde die Firma Gator als Vertreter der Interessen und Aufgaben des Bauherrn eingesetzt. Im September 1995 begannen die Arbeiten am ersten Bauabschnitt und ein gutes Jahr später waren die ersten Wohnungen bezugsfertig. Anfang 2000 wurde dann die letzte der insgesamt rund 1.170 Wohnungen fertiggestellt. Seitdem hat sich die Anlage zu einer einzigartig grünen Wohninsel inmitten der Großstadt Hamburg entwickelt und konnte schon viele internationale Städtebau-Preise einheimsen.

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